Ich bin auf einen sehr interessanten Artikel, auf einem Blog gestoßen, bei dem ich eigentlich regelmäßig mal vorbeischaue. Und er hat mich nicht nur interessiert sondern auch überrascht. Er hat mein Weltbild geändert. Ja genau. Der Verfasser des Blogs zeichnet sich nämlich normaler Weise durch einen ausgeprägten Windows- bzw. Microsoft-Hass aus. Dieser Mensch ist seit mehreren Jahren teil meiner Internetbeschäftigung. D.h. ich bin irgendwann im Jahre 2006 auf ein Video bei youtube.com gestoßen, welches einen Jungen zeigt, welcher auf irgendeine hysterisch Art und Weise eine Beta-Version von Windows Vista installiert und (sinngemäß) etwas wie „Ich will Aero Glass!“ schreit. Wie dem auch sei… im Info-Feld dieses Videos war auch der Link zu seiner Webseite, welche sich unwissend und etwas kindlich-naiv mit Betriebssystemen beschäftigte. Jedenfalls lese ich seit dem auch seinen Blog, um mich über das fanatische Sendebewustsein, welches dieser junge Blogger im Bezug auf Linux und offene Software vertritt, zu amüsieren. Heute scheint er einen wichtigen Schritt in Richtung Sachlichkeit und Tolleranz gemacht zu haben.
Lange rede kurzer Sinn, ich habe auf seinen letzten Beitrag geantwortet, und da diese Antwort vergleichsweise umfangreich ausgefallen ist, veröffentliche ich diese auch hier. Und hier ist er *trommelwirbel* Mein Senf:
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Ich hab mir vor drei Wochen ein HP Notebook mit Vista gekauft. Ich denke, hätte ich mir einen PC zusammengebaut, wie es ursprünglich geplant war, hätte ich mir letztendlich auch eine Vista SB-Lizenz gekauft. Ich habe Vista seit der Beta 1, kurz nachdem der Codename abgeschafft wurde (Ende 2005), in Benutzung (jedenfalls parallel zu XP und Linux) Meiner Meinung nach halten einerseits viele Leute an XP fest, weil Sie die Leistungsunterschiede sehen, die ja schließlich Fakt sind, wenn es um etwas aufwendigere Anwendungen geht, welche vllt. noch nicht die Vista-spezifischen Funktionen nutzen, um die Nutzbarkeit zu erhöhen.
Ich denke eine Ursache für die nicht vorhandene Vista-Akzeptanz ist die, dass die Privatleute, die vor eine Vista-Entscheidung stehen, erst einmal Rat bei Menschen aus dem professionellen Bereich einholen. (was ja nicht verkehrt ist) Nur habe ich häufig das Gefühl, dass diese Leute eine Meinung vertreten, die weniger in Anwendungsszenarien von Privatleuten passen. Soll heißen: Leute im Geschäftsbereich verwenden meist speziell angefertigte Software, welche nun einmal schlicht und ergreifend tiefer in das System (hier: Windows XP) verwurzelt ist, und somit eher mit Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen hat. Dass diese Leute sich auch sagen, dass man mit XP noch bis 2014 (!) von MS unterstützt wird und es einfach wesentlich älter und somit ausfallsicherer („reifer“) ist, ist auch logisch. Nur vergessen diese, dass all das für Privatanwender vollkommen unwichtig ist.
Problematisch ist möglicherweise auch, dass XP 7 Jahre lang Zeit hatte sich in die Gesellschaft einzufressen. Die extremen Fehler, die bei der Vista-Entwicklung gemacht wurden spiegeln sich schließlich auch in einer anormalen Entwicklungszeit wieder. Die Leute, die sich an ihr schönes XP gewöhnt haben, vergessen, dass ein Veröffentlichungszyklus von ca. 3 Jahren normal ist. Die 7 Jahre bis Vista sind ein Ausrutscher gewesen, welcher fatal für die Akzeptanz weiterführender Versionen ist. Meiner Meinung nach hätte man bei Microsoft aus dem SP2 für XP ein extra Betriebssystem machen sollen. Einigen MS-Entwicklern zu folge, hätten die massiven Änderungen am System ausgereicht, um diesen Schritt zu rechtfertigen. Natürlich: niemand bedank sich bei MS dafür, dass der Kraftakt „XP SP2“ kostenlos zur Verfügung gestellt wird, aber hätte man Geld für eine Art Windows XP Second Edition genommen, wäre der Aufschrei laut gewesen: „Die geldgierigen Schweine aus Redmond!“
Ich bin genau wie du der Meinung, dass man versuchen sollte, Windows Vista und somit die nötigen technologischen Neuerungen mit aller Gewalt in den Markt zu pressen, um die alte XP-Kruste, aus der IT-Welt zu spülen. Die Leute, die unbedingt noch XP benötigen, sei es aus Kompatibilitätsgründen oder aus dem Grund, dass man die Firmeninfrastruktur mit neuen Rechnern nicht heterogen werden lassen will, sollten sich über ihre Downgraderechte, welche Sie mit jeder Lizenz von Vista Business, Enterprise und Ultimate eingeräumt bekommen. Informieren. Ms erlaubt ausdrücklich, dass man mit dem Erwerb der genannten Lizenzen auch zur Nutzung von XP professional oder Tablet PC Edition berechtigt ist, so lang man die Vista-installationsrechte nicht nutzt. Somit versteh ich auch alberne Petitionen, gegen die Einstellung des Vertriebs von neuen XP-Lizenzen und „Retail“-Päckchen nicht.
Ich finde, das MS mit Vista einiges umgekrempelt hat. Nur die Oberfläche ist es nicht. Da muss ich dir wiedersprechen. Ja, es gibt neue, meiner Meinung nach sehr gut gelungene, Design-Richtlinien und ja, die Oberfläche wird jetzt (meistens) von der Graka berechnet, aber neu ist das ganze Bedienkonzept nicht wirklich. Wenn ich mir überlege, was man mit der Taskleiste alle machen könnte. Es gab in frühen Longhorn-Versionen ja den Ansatz, die Taskleiste mit der Sidebar zu verschmelzen, aber von der ursprünglichen Sidebar ist nix über geblieben
ich sehe da noch große Spielräume, wobei ich nicht meine, dass man gelungene Dinge wie den Infobereich oder das nahezu perfekte Fenstermanagement abschaffen oder ändern sollte.
Ich für meine Verhältnisse will schon allein wegen der vorzüglich funktionierende und integrierten Suchfunktion sowie der Tablet-PC-Funktionen, welche mir KEIN anderes Betriebssystem auf dieser Welt bieten kann, nicht mehr auf Windows Vista verzichten.
Letztendlich wird sich Vista nicht langsamer und nicht schneller ausbreiten, als es bei allen Vorgängerversionen der Fall war. Obwohl letzteres nach 7 Jahren XP dringend notwendig wäre.
MfG
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Ende der Durchsage *g*
Übrigens: Entschuldigung, dass die ganze Sache hier etwas eingestaubt ist. (Wenn ich denn überhaupt so etwas wie Leser habe ^^) Ich versuch in Zukunft etwas mehr Spaß an der Sache zu entwickeln. Bestimmt!